Keine Euros nach Athen
Die griechische Regierung hat ihr mit Spannung erwartetes Sparpaket vorgelegt. Die Einnahmen sollen erhöht werden und die Ausgaben gesenkt. Weil diese Anstrengungen wahrscheinlich trotzdem nicht ausreichen werden, werden die Deutschen schon mal sanft darauf vorbereitet, daß wir jetzt den Hellenen zu Hilfe eilen müssen. So sagte der Moderator Till Nassif im
ARD-Morgenmagazin heute früh: „Auch bei uns in Deutschland wäre die Empörung wohl groß, wenn die Regierung ankündigen würde, daß die Mehrwertsteuer jetzt gerade mal erhöht wird, daß die Renten nicht mehr steigen, daß Benzin, Alkohol und Zigaretten teurer werden.“
Ach ja? Deutschland hat vor drei Jahren die größte Mehrwertsteuererhöhung seiner Geschichte erlebt. Renten steigen schon lange nicht mehr. Und Benzin und Zigaretten werden auch ständig teurer, die Preise haben sich etwa verdoppelt in den letzten 15 Jahren. Trotzdem gibt es bei uns keine solchen Ausschreitungen wie in Griechenland. Und das, obwohl wir Deutsche zu den wichtigsten Nettozahlern in der EU gehören. Die Griechen dagegen gehören zu den Nettonehmern und werden seit jeher massiv von uns unterstützt.
Müssen wir für die Griechen zahlen?
Das heißt: Wir knapsen und erhöhen Steuern, machen Schulden und verzichten auf Einkommen, damit sich in Griechenland ein korrupter Staat einen immer größeren, aber ineffizienten Apparat leisten kann und Rentner mit 100 Prozent ihrer Bezüge in Rente gehen können.
Jetzt wäre der Zeitpunkt gekommen, diese Mißwirtschaft zu beenden und den griechischen Staat von Grund auf neu gestalten. Aber statt dessen wird ein halbherziges Sparprogramm gemacht, und am Ende sollen die Deutschen wieder die Hauptlast tragen. Die Antwort kann nur die sein, die zwei Abgeordnete heute im
Bild-Interview heute gegeben haben: Josef Schlarmann (CDU) und Frank Schäffler (FDP) fordern die Griechen auf, zunächst einmal ihre Vermögensgegenstände zu versilbern. Zu Deutsch: ihre Gebäude und Grundstücke zu verkaufen. Zum Beispiel einige der knapp 3000 unbewohnten Inseln. Ein Großteil der griechischen Schulden ließe sich so wahrscheinlich begleichen.
Schadenfreude fehl am Platz
Dennoch: Erleichterung oder gar Schadenfreude sind jetzt fehl am Platze. Die deutschen Fernsehzuschauer sind gut beraten, sich die Bilder aus Griechenland gut einzuprägen. Denn das, was den Hellenen gerade widerfährt, droht auch uns, wenn der deutsche Schuldenstaat zusammenbricht. Bedenken wir: Was sind schon die 300 Milliarden Schulden Athens verglichen mit den 1,6 Billionen Schulden, die
unsere sozialistischen Regierungen unterschiedlicher Couleur in den Jahren angehäuft haben? Am Sonntagabend nannte Arnulf Baring bei
Anne Will sogar die implizite Staatsverschuldung, also die echten Staatsschulden, die durch Ansprüche an das Rentensystem und die Pensionskassen bestehen: sieben Milliarden Euro. Das ist mehr als 20 Mal so viel wie die Staatsschulden Griechenlands.
Athen, wir kommen!