An dieser Stelle veröffentlicht Peter Helmes regelmäßig kritische Kommentare zu Themen, die in den Medien selten, gar nicht besprochen oder verzerrt dargestellt werden.

 

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Dr. Wolfgang Thüne,  

früherer ZDF-Wetterexperte, ist den Deutschen Konservativen eng verbunden. Er schreibt für unser DEUTSCHLAND-Magazin und veröffentlicht hier regelmäßig seine Kolumne „Oppenheimer Werkstatt für Wetterkunde“. Wissenschaftlich fundiert und spannend zu lesen.
 

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„Die Grünen – Zwischen Kindersex, Kriegsbejahung und Zwangsbeglückung“*)

 

Eine kritische Buchbesprechung von Peter Helmes

 

Noch ein Buch über die Grünen? Das (gefühlte) 172. oder 173.? Ja, warum nicht! Die Grünen präsentieren sich als die Moralpartei schlechthin, als Heilsbringer und Friedenstauben. Nichts  von diesen hehren Ansprüchen entspricht der Wirklichkeit. Im Gegenteil. Es kann gar nicht genug Aufklärung über die Grünen geben. „Ihre schulmeisterliche Art, die Selbstgerechtigkeit in ihrem Auftreten, ihre Überheblichkeit, ihr missionarischer Eifer und ihre erziehungsdiktatorische Neigung unterscheiden sie für mich exorbitant von anderen Parteien“, schreibt der Autor seines neuen Buches, Michael Grandt. 

 

„Grüne lebten ja in den vergangenen Jahren vom Anspruch und der Aura, anders zu sein als all die anderen, nicht allein in Opportunitäten zu denken, sondern auch Prinzipien der politischen Moral hochzuhalten“, ergänzt der Göttinger Politikwissenschaftler Prof. Franz Walter, der durch die Beschäftigung mit den grünen Pädophilieerscheinungen einen tiefen Einblick in das Innenleben dieser Partei erhielt.

 

Wohl keine (neue) Partei hat sich so schnell in unserem Lande etabliert wie die „Zausel von einst“, die „Ökotruppe“. Und das, obwohl sie nach wie vor große Widersprüche in sich trägt (aber gut getarnt): Protestbewegung und Machtpolitik, Pazifismus und Kriegseinsatz, Hybris und Selbstzweifel, Sozialismus und Marktwirtschaft, Feminismus und Machogehabe.

 

Das Grandt-Buch verspricht eine Antwort auf die Frage, wie glaubwürdig diese grüne „Moralpartei“ wirklich ist. Um es vorweg zu nehmen: Der Autor gibt eine klare Antwort – und verbirgt auch nicht seine innere Abneigung gegen die „Grünis“, wie sie an einer Stelle genannt werden: „Meine weitere Meinung will ich Ihnen nicht vorenthalten: Die Grünen sind sozialistisch, antiliberal und haben ein totalitäres Programm, das die Menschen bevormunden und gängeln möchte. Die Grünen müssen ihre Identität neu definieren und zwar ohne politische Unzucht, zwangsmoralisierende Scheinheiligkeit und Heuchelei. Ich persönlich traue den Grünen keinen Meter über den Weg. Keinen Meter! Ihr moralischer Anspruch, ihre Besserwisserei und ihr stets erhobener Zeigefinger gegen andere gehen mir gehörig auf die Nerven. Deshalb kann ich nur mit Ironie abschließend sagen: Wer nach dem Lesen dieses Buches noch ´grün´ wählt, sollte zum Psychiater gehen.“ (Hervorhebungen durch Grandt)

 

Hut ab vor so viel ehrlicher Meinung! Andererseits, sollte ein Sachbuchautor nicht doch ein wenig mehr Abstand zu seinem Sujet halten? Da gehen zuweilen die Pferde mit ihm durch.

 

Das Buch verwirrt den kritischen Zeitgenossen. Geht man davon aus, daß Leser eines solchen Buches wohl eher zu den politisch Interessierten und also Informierten gehören, bietet das Werk wenig Neues. Es gibt kein Kapitel, das nicht schon in vielen anderen guten Publikationen über die Grünen steht. Aber dennoch ist Grandts Werk wertvoll:

 

Es bringt eine Fülle von Originaltexten, Zitaten und Hinweisen auf die Grünen und ihre Vergangenheit, die man wie ein Nachschlagewerk mit sich herumtragen kann, und gibt viele Antworten auf wissenswerte Fragen. Andererseits versagt das Buch ausgerechnet eine Antwort auf die auch vom Autor so genannte „Kernfrage“: „…Wie konnte eine grüne Partei, die nie die Legitimierung durch die Mehrheit des Volkes hatte, der gesamten Gesellschaft ihre (oft) obskuren Werte und Ziele aufdrängen und sich zur Moral- und Empörungspartei par excellence aufschwingen, die uns immer wieder mit erhobenem Zeigefinger zurechtweist. Wie konnten wir zulassen, dass in Deutschland eine grüne Gesinnungs- und Meinungsherrschaft etabliert wurde, in der selbst ernannte „Gutmenschen“ jene denunzieren, die nicht ihrer Meinung sind?“ 

 

Die Frage ist gut gestellt, die Antwort eher dürftig. Hier rächt sich ein Versäumnis des Autors. Er hat sich zu sehr festgehalten an den Irrungen und Wirrungen der Grünen, an ihren z. T. abstrusen Vorstellungen und Ideen, ist dabei aber viel zu flott (nicht einmal 3 Seiten von 326, nämlich S. 26-28) über die „Wurzeln des Übels“ – die eigentlichen Wurzeln der Grünen – hinweggegangen. Die Begründung für den geradezu absolutistischen Anspruch grünen Denkens findet man (nur) in der Vorgeschichte der Entstehung der Grünen: bei der APO bzw. den ´68ern. (Die andere Wurzel der Grünen – die Naturliebe für Gottes Umwelt – erwähnt Grandt dankenswerterweise zwar, sie spielte jedoch im weiteren Leben der Grünen sehr bald nur noch eine Randrolle – verhöhnt von den militanten K-Gruppen-Exponenten, die sich bald die grüne Bewegung zum Untertan machten.)

 

Seite 39 bietet einen solchen Schlüsseleinwurf, eröffnet mit dem Satz: „Die Grünen sind eine weit links stehende Partei. “Was soll das heißen? Die Antwort sucht man vergeblich. Wie überhaupt sehr viele Fragen gestellt werden, die offenbleiben. Grandt läßt in wichtigen Interpretationsfragen den Leser allein. Er wird sich schon sein Urteil selbst bilden können, mag er beim Abfassen des Manuskriptes gedacht haben. Und wie schon erwähnt, bietet das Buch ja auch eine Fülle von Informationen.

 

So erinnert er (S. 39) daran, daß sich die Grünen zu Beginn ihrer Geschichte als „Repräsentanten einer neuen sozialen Bewegung“ verstanden. „Dieses „neu“, schreibt Grandt, „bezieht sich offenbar auf folgende – in der damaligen parlamentarischen Demokratie – tatsächlich „neuen“ organisatorischen Bestimmungen:

 

  • Die „Basis“ sollte an der politischen Willensbildung teilnehmen und nicht die Amts- und Mandatsträger
  • Verbot der Häufung von Ämtern
  • Rotationsprinzip
  • Imperatives Mandat
  • Öffentlichkeit aller Sitzungen
  • Rederecht für jeden Anwesenden

 

Doch diesen hehren theoretischen Zielen konnte die Partei nur bedingt gerecht werden…“

 

Daß diese „hehren Ziele“ samt und sonders – aber für die Partei zum Teil unter großen, schmerzhaften Prozessen – geräumt sind, darf der geneigte Leser allenfalls erahnen. Viele Leser werden sich durchaus noch der heftigen Kämpfe auf den Grünen-Parteitagen erinnern, der Autor scheint dem aber wenig Bedeutung beizumessen.

 

Viel wesentlicher erscheinen mir daran absolut fehlende Hinweise auf die Konsequenzen dieser Richtungsänderung der Grünen. Wurden nun aus „Fundis“ die neuen „Realos“? Oder schlummert da noch etwas in der Partei, was bei Gelegenheit wieder aufbrechen kann? Dazu  hätte man gerne mehr gehört.

 

Noch so ein Reizwort wirft der Autor in den Raum, mit dem der Leser im Nebel stecken bleibt. Auf S. 45 schreibt Grandt (zutreffend): …Dieser grüne Radikalismus mit seinen  moralisierenden und ästhetisierenden Utopien kennt klare Fronten und heroisiert eine vollkommene Welt. Gut und Böse sind – wie oben schon erwähnt – klar definiert (…) 

Doch die aus dieser Gut-Böse-Gegenüberstellung erkennbare ´Selbststilisierung messianischer Erwähltheit` zu einer ´Elite mit absolutem Heilswissen und makellosem Gerechtigkeitssinn` wurde und wird bis heute kritisiert. So auch in diesem Buch…“ Aber wo das im Buch genauer steht, erfährt der Leser nicht. Auch hier der Verdacht, daß der Autor die Denkanreize des Lesers auf die Probe stellen wollte.

 

Sehr umfangreich – in einem starken – Kapitel schildert Grandt hingegen die Verstrickungen der Grünen in die verschiedenen militärischen Auseinandersetzungen (von der Friedens- zur Kriegspartei). Er zeigt minutiös auf, wie die Grünen bei den jeweiligen „Kriegsfragen“ abgestimmt haben. Damit war es mit der stets vorangetragenen Monstranz der „Friedenspartei“ ein- für allemal vorbei (Grandt: „Joseph (Joschka) Martin Fischer – der Kriegsminister“). Stark! Zu diesem Thema gehören auch die Schilderungen des Autors zum Anti-Islamismus vieler Grüner. Aber man liest nichts über ihre Haltung zu Israel. Gewiß ein großes Versäumnis.

 

Ein gesondertes Kapitel über die außenpolitischen Vorstellungen der Grünen hätte dem Buch ebenfalls gut angestanden. Wie ist die Haltung der Grünen zur Ukraine? Zu Israel? Wie positionieren sich die Grünen zu Moskau und Washington? Wie zu den vielen offenen Fragen in der EU? Da hätte man mehr erwarten dürfen.

 

Grandt bemüht zwar die Gewaltfrage für die internationalen Konflikte und vergißt auch nicht, „Brokdorf“ und ähnliche (gewalttätige) Veranstaltungen zu beleuchten, doch einer aktuellen Darstellung weicht er aus: Wie verhalten sich die Grünen z. B. zu den Anti-Pegida-Demonstrationen? Gewaltlos? Gewiß nicht! Darüber hätte man auch gerne etwas gelesen, wenigstens ein bißchen.

 

Was das Buch aber interessant macht, sind z. B. die Briefe mit direkten Fragen, die Brandt einigen grünen Genossen stellt und auf die er dürftige – oder auch gar keine – Antworten erhält. Das erlaubt gute Rückschlüsse auf die (fehlende) Diskursbereitschaft der grünen Truppe. Auch das Kapitel über die von den Grünen neu definierten „Geschlechterrollen“ bzw. den Feminismus ist Brandt sehr gut gelungen, ebenso wie seine Ausführungen über die Kindersex-Vorgänge bei den Grünen. Diese Kenntnis dürfte man aber bei der typischen Leserschaft bereits voraussetzen.

 

Zu loben bleibt das sehr genaue, höchst umfangreiche Quellenverzeichnis. Ein Namensverzeichnis hätte dies noch abgerundet.

Fazit: Ein interessantes Buch über die Grünen – aber nicht als alleiniger Lesestoff, sondern allenfalls als Ergänzung zu anderen nützlich.

 

*) Der Autor: Dr. h.c. Michael Grandt, Jahrgang 1963, arbeitet seit 1992 als Publizist, Dozent und Fachberater für die Themenbereiche Wirtschaft, Finanzen und Zeitgeschichte. Kopp-Verlag, ISBN 978-3-8644218-5, 1. Auflage 2015, 22,95 €

9.6.15