An dieser Stelle veröffentlicht Peter Helmes regelmäßig kritische Kommentare zu Themen, die in den Medien selten, gar nicht besprochen oder verzerrt dargestellt werden.

 

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Dr. Wolfgang Thüne,  

früherer ZDF-Wetterexperte, ist den Deutschen Konservativen eng verbunden. Er schreibt für unser DEUTSCHLAND-Magazin und veröffentlicht hier regelmäßig seine Kolumne „Oppenheimer Werkstatt für Wetterkunde“. Wissenschaftlich fundiert und spannend zu lesen.
 

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Konservative Kommentare August 2013

Liebe Leser,

an dieser Stelle veröffentliche ich regelmäßig einmal im Monat meist kritische und bissige Kommentare – aus konservativer Sicht versteht sich – zu Themen bzw. Vorgängen, die in den Medien selten oder gar nicht besprochen oder verzerrt dargestellt werden. Ich freue mich stets über Kritik und Anregungen, die Sie mir direkt (Peter.Helmes@t-online.de) zusenden können.

 

Robespierre, Danton und die Wurzeln der Grünen

Man kann es gar nicht oft genug wiederholen: Die Grünen wollen eine andere Gesellschaft, einen anderen Menschen. Das erreichen sie nur durch immer mehr Verbote. Jüngstes Beispiel ist deren Forderung nach (mindestens) 1 fleischlosen Tag in der Woche, also eine Art „Grünzeug-Tag“. (Nebenbei bemerkt: Sind wir in unserem Deutsch schon so verkommen, daß wir, vor allem die Medien, nicht mehr „Fleischlos-Tag“, sondern „Veggie Day“ sagen müssen?!)  

 

Bei dieser grünen Anregung zeigt sich wieder einmal die alte Überzeugung der Gutmenschen: „Wir dürfen, ja wir müssen die Menschen zum Guten zwingen!“ Bei meinem Besuch einer Aufführung von Georg Büchners „Dantons Tod“ fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Es geht in diesem  großartigen Stück u. a. um die Forderung Dantons und seiner Anhänger nach einem Ende der Gewalt („terreur“) und einem toleranten (!) Staat. In diesem Staat dürfe der Bürger „vernünftig oder unvernünftig, gebildet oder ungebildet, gut oder böse sein“ – das ginge den Staat nichts an. Sein Gegenspieler während der Französischen Revolution war Robespierre, der – wie heute die Grünen, aber noch nicht so offen gesagt – einer Diktatur des Staates das Wort redete, weil nur dieser Staat in der Lage sei, die Menschen (richtig) zu erziehen.  

 

Entweder sind die Grünen bei Robespierre in die Schule gegangen, oder sie haben noch nichts von Danton gehört. Danton kannte die Schwächen der Menschen (und war selbst mit menschlichen Schwächen gesegnet). Robespierre hingegen wollte mit aller Macht die „Ideale“ Rousseaus verwirklichen. Ihm erschien die Gesellschaft „verkommen“. Sie muß also verbessert werden. Das alles fand in den Jahren um 1770-1794 statt. Die Grünen haben damit eine lange Vorgeschichte. Die angeblich „verkommene Gesellschaft“ Robespierres ist bei den grünen heute die „politisch nicht korrekte Gesellschaft“. Auch zur damaligen Zeit war das „Natürliche“ – wie uns auch heute die Grünen weismachen – ein ideologischer Kampfbegriff, der nicht zur Disposition stand bzw. steht.

 

Die „Diktatur der Vernunft“ der Grünen

Vermutlich haben die Grünen aber bei jenem Jean-Jacques Rousseau von der „volonté générale“ gehört (und gelernt), wonach alle Mitglieder einer Gesellschaft in freiwilliger Übereinkunft einen Gemeinwillen erzeugen. Dieser Gemeinwillen hat immer Recht! So wird eben auch die Grundhaltung der Grünen offenbar: Ihr Begriff vom Gemeinwohl ist absolut, nicht disponibel. Und wer diesen Gemeinwohl-Begriff nicht teilt, stellt sich außerhalb dieser Gemeinschaft. Die Grünen lassen grüßen. Auch sie versuchen – Robespierre tat es mit der Guillotine –, uns, den politisch nicht korrekten  Bürgern, ihre „Wahrheit“ und ihren Lebensstil („bio“) aufzuzwingen.

Ach ja, Robespierre verdanken wir noch eine andere (grüne) Erkenntnis: Ohne Tugend sei Terror verhängnisvoll, ohne Terror die Tugend aber machtlos. Dieser „Diktatur der Vernunft“ fielen bei der Französischen Revolution etwa 40.000 Menschen zum Opfer. Die Grünen arbeiten subtiler, keineswegs mit der Guillotine. Aber sie versuchen, uns durch Gebote und Verbote, durch Vorschriften und Strafen umzuerziehen und „die Welt zu retten“. Das aber ist ein elementarer Eingriff in die individuellen Freiheitsrechte der Bürger, die auch das Recht auf menschliche Schwächen oder Trägheit einschließt. Wehret den Anfängen!

 

Sehen Sie jetzt, liebe Freunde, warum ich seit Jahr und Tag vor den Grünen warne. Man muß die Anfänge kennen, um das Ende zu erkennen. Und so erwarten wir jetzt nach dem Grünzeug-Tag hingebungsvoll den Anti-Schokoladen-Tag, das Alkohol-Verbot, das Rauchverbot auch zuhause – das Glühbirnenverbot haben wir schon – und weitere grüne Segnungen/Bevormundungen, bis wir endlich das „Grüne Paradies“ erreicht haben werden.

 

Steinbrück – beratungsresistent und ratlos

Über den Wahlk(r)ampf der SPD in diesem Jahr wurde schon viel gelästert und die Partei mit reichlich Häme überschüttet. Aber Fakt ist: Selbst wenn alle politischen Gegner der SPD in einer Art Stillhalte-Abkommen die Sozialdemokraten nicht angriffen, blieben die Aussichten gering, daß sie mit diesem Kandidaten gewinnen könnte. Es ist wie bei einem miserablen Drehbuch: Auch die besten Darsteller und Schauspieler können das Manko nicht wettmachen, das ihnen eine überforderte Regie unterjubelt. Das Versagen der Parteiführung wird nur noch übertroffen von der Tollpatschigkeit ihres Spitzenkandidaten (von „Kanzler-Kandidat“ spricht schon niemand mehr).

 

In ihrer Verzweiflung beginnen die Genossen, wild um sich zu schlagen – ein untrügliches Zeichen ihrer zunehmenden Nervosität. Nun trifft es die „Ostdeutschen“, die nichts von „Europa“ verstünden – meint Steinbrück. Prompt greift er die prominenteste „Ostdeutsche“ dieser Zeit an, die in Hamburg geborene Angela Merkel. Mit seiner pauschalen Verdächtigung der „Ostdeutschen“ übergeht der Kandidat flott und flink regionale Unterschiede und persönliche Lebenswege. Alle sind „Ostdeutsche“, und weil hinter einer Mauer aufgewachsen, konnten sie kein Europa-Gefühl entwickeln. Das ist also ein Steinbrück´scher Blick zurück in die Steinzeit der Wiedervereinigung.

 

Man kann ja der Kanzlerin (zu Recht) alles Mögliche vorwerfen, ihr aber fehlende  Leidenschaft bei Reden zu „Europa“ abzusprechen, verlangt schon ein gehöriges Maß an Ignoranz. Jeder weiß, daß „Leidenschaft“ zu Angela Merkel paßt wie Minirock und Tiroler Hut. Die einen werfen ihr vor, sie kämpfe zu viel für deutsche Interessen, den andern ist´s zu wenig. Es bleibt aber: Sie kämpft wenigstens (wenn auch, nach meiner Meinung, auf dem falschen Weg).  

 

Steinbrück tut das Falscheste, was jemand – auch aus Verzweiflung – tun kann: Er greift Merkel an einer Stelle an, für die sie (und jeder andere Mensch) nichts kann: an der eigenen Herkunft. Das ist schlicht dumm – und hilflos. Daß „die Ostdeutschen“ vor der Wende keine (EU-) Europäer waren, ist sicher nicht schuld der „Ostdeutschen“. Dieses Thema taugt jedoch nichts für Wahlkampfgetöse. Das ist der Versuch populistischer Stimmungsmache auf dem Buckel der „Ostdeutschen“. Paßt schon! Das Thema „Neue Bundesländer“ nimmt im Wahlkampfprogramm der SPD grad ´mal 1 Seite ein.  

 

SPD hat größeres Wachstumspotential

Es ist nicht nur interessant, welche Prozentzahlen die verschiedenen Meinungsforschungs-Institute vor der Bundestagswahl regelmäßig absondern. Genauso interessant ist die Frage, ob und wie die Parteien ihr Wähler-Potential ausschöpfen (können).

 

Die SPD hat vor der Bundestagswahl nach einer Analyse das größte Wachstumspotential. Wie das Institut INSA für das Magazin "Focus" ermittelte, könnten die Sozialdemokraten am 22. September 23 Prozent der Stimmen erhalten - wenn sie ihr Potential maximal ausschöpfen. Für die Grünen wären 21 Prozent möglich. CDU/CSU könnten maximal auf 41 Prozent kommen. Das Potential der FDP liegt bei neun Prozent. Für die Linke sind maximal zehn Prozent drin. Die AfD liegt immer noch bei rd. 3 Prozent.

 

Die SPD will ihr Wählerpotential unter anderem durch bis zu fünf Millionen Hausbesuche ausschöpfen. Dabei könnte sie jedoch auf verschlossene Türen stoßen; denn zwei Drittel der Deutschen wollen einer Umfrage zufolge vor der Bundestagswahl nicht von Werbeleuten der Parteien besucht werden. In einer Emnid-Umfrage für "Focus" mit 1004 repräsentativ ausgewählten Personen gaben 66 Prozent an, ihre Tür nicht zu öffnen, wenn Wahlwerber klingeln. Am größten ist die Ablehnung unter Anhängern der Union mit 69 Prozent. Aber auch 63 Prozent der SPD-Anhänger sehen das so.  

 

Umfrage: Rot-Rot-Grün knapp vorn

In der aktuellen Sonntagsfrage dümpelt die SPD um die 25 Prozent. Die Grünen, Wunsch-Koalitionspartner der Sozialdemokraten, bleiben bei 13 Prozent. Die Linkspartei liegt weiterhin bei acht Prozent. Weil die FDP einen Punkt verliert und nur noch auf fünf Prozent kommt, liegt die rot-rot-grüne Opposition mit insgesamt 46 Prozent wieder knapp vor Schwarz-Gelb (45).

 

Angesichts der rechnerischen Chancen für Rot-Rot-Grün versucht die SPD-Spitze, jede Debatte über ein Bündnis mit der Linkspartei zu unterbinden. "Die Linke ist außen-, europa- und bündnispolitisch nicht verlässlich. Ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik folgt dem Motto 'Wünsch Dir was'", sagte Peer Steinbrück der "Welt am Sonntag". Er wies Äußerungen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) über die Möglichkeit einer Regierung von SPD, Grünen und Linken zurück. "Frau Merkel versucht, Gespenster vorzuführen."  

 

Gabriel teilt gegen Linke aus

Auch der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erteilte einem Bündnis mit der Linkspartei nach der Bundestagswahl eine Absage. "Rot-Rot-Grün ist nur eine rechnerische und keine politische Mehrheit", sagte er dem "Tagesspiegel am Sonntag". Er halte nichts davon, "die Stabilität Deutschlands aufs Spiel zu setzen, nur um mit einer absolut unkalkulierbaren Partei ins Kanzleramt zu kommen. Wer jedes Risiko eingeht, um ins Kanzleramt zu kommen, wird nicht lange dort bleiben."  

 

Die Linke sei im übrigen "nicht eine Partei, sondern zwei, bestehend aus pragmatischen Linken im Osten und sämtlichen Sektierern und SPD-Hassern im Westen", so Gabriel.  

 

Fazit: Es ist alles noch offen!

 

65 Jahre „BRD“

Sie lesen richtig: "BRD“ in An- und Ausführungsstrichen. Es ist unglaublich: In der Welt am Sonntag erscheint eine Groß-Anzeige mit Werbung für die Buch-Neuerscheinung „65 Jahre BRD – eine Zeitreise in Bildern“ in der Reihe „Welt Edition“. Warum haben wir stets „DDR“ in An- und Ausführungsstrichen geschrieben?

 

„DDR“ war der verzweifelte Versuch der SED-Machthaber, alles Deutsche, wo immer es ging, zu streichen und damit eine gleiche Augenhöhe DDR – BRD vorzugaukeln. Sofort wurde das Unwort BRD von unseren Linken übernommen – bis in die Reihen der CDU (nicht alle!). Wir Konservativen haben immer, auch jetzt noch, gegen dieses Kürzel gekämpft, um die deutsche Identität in Gesamt-Deutschland zu wahren.

 

Zu Lebzeiten Axel Caesar Springers erschien das Wort DDR stets in An- und Abführungszeichen. Er würde sich heute im Grabe rumdrehen, sähe er nun das Werk seiner Erben. Ich sehe keinen Grund, 19.95 Euro für ein solches Machwerk auszugeben.  

 

4 Mrd. für Tiere, 5 Mrd. für Kinder – kein Zufall

Die Tochter (17 J.) aus begütertem Haus fliegt mit ihrer Mutter nach Mailand (!), um dem Kind ein „passendes“ Kleid für den Abschlußball des Tanzkurses zu erstehen. Der 15-jährige Sohn erhält 500 Euro „Taschengeld“ im Monat – und „bei Bedarf“ auch etwas mehr. „Bedarf“ – das ist z. B. das neueste Handy, die Eintrittskarte für ein das Konzert eines „angesagten“ Popsängers usw. Der Familienhund, ein (lieber) Pudel, trägt ein Halsband mit Svarowski-Steinen besetzt und eine passende Leine dazu. Im Winter kommen ein kleines „Mäntelchen“ aus edlem Tuch und ein paar Stiefelchen aus Handschuhleder dazu.

 

Eine Schulkameradin der erwähnten Tochter– einfacher Leute Kind – kann das Geld für den Abschlußball nicht aufbringen. Die Mitschülerinnen beschließen kurzer Hand, von ihrem „Taschengeld“ zusammenzulegen, damit die „Arme“ am Ball teilnehmen kann. Alle schienen glücklich zu sein. Aber es kam anders:

 

Beim Festball, an dem auch üblicherweise „stolze“ Eltern teilnehmen, fehlte die „Arme“, samt Eltern. Am nächsten Tag fragten die Freundinnen, warum sie nicht gekommen sei. Ihre Antwort: Sie und ihre Mutter hätten sich geschämt, daß sie auf die „Stütze“ der anderen angewiesen waren. Sie dankte nochmals allen Freundinnen und wollte das gesammelte Geld zurückgeben.

 

Liebe Leser, das sind keine Einzelfälle. Wir geben jährlich 4 Milliarden für Tierfutter aus. Unsere Kinder (zwischen 6 und 13 Jahren) haben zusammengerechnet allein auf dem Sparbuch ein Vermögen von 5 Milliarden Euro und in der Tasche nochmals „etwas Kleingeld“ von durchschnittlich 30 Euro im Monat. Und ab und an geben Oma oder Opa noch ´was hinzu. Statistisch erhält bereits mehr als Hälfte der  4-5 Jährigen (!) mehr als 10 Euro im Monat.

 

Das ist, mit Verlaub, alles nicht mehr normal. Weder Kinder noch (erst recht) Haustiere sind Luxusgeschöpfe. Wir machen sie aber dazu. Das ist gedankenlos und dekadent.   

 

Kleiner Nachtrag: Ich bin Vater sowie Großvater und Halter von Hund´ und Katz´, aber niemand von ihnen trägt Swarovski.

 

Liebe Freunde, das mag für heute genügen. Ich wünsche Ihnen eine gute Zeit, einen sonnigen Sommerausklang und uns allen eine bessere Politik.

 

Mit herzlichen Grüßen,

Ihr

Peter Helmes  

 

Und, wie immer, ein kleines P. S.:

Da hatten wir also einen „Supersommer“, ein Sommer „wie er früher einmal war“. Aber leider, leider fehlte mir da was. Vor noch nicht allzu langer Zeit – es war im Jahre 1994 – war der Sommer auch heiß, aber die kleinen, grünen und guten Menschlein spielten verrückt. Kaum eine Brücke, an der nicht die Transparente hingen: „Achtung, Ozonalarm“. Wir wurden – zumindest moralisch – aufgefordert, höchstens so um die 80 km/h zu fahren. Es kam das „Ozongesetz“, das aber schon wenige Jahre später ausgesetzt wurde. Kann es wirklich sein, daß auch die Grünen den heurigen Sommer genießen? Oder kommt die „Rechnung“ nach der Bundestagswahl? Einfach so drei Monate Sonne hinnehmen – das ist nicht grün. Da wird man höchstens braun. (Murmel, murmel)  

 

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