Merkel. Klinsmann und die Manager-Boni
Die Welt ist fest im Griff einer großen Finanz- und Wirtschaftskrise. Eines der Themen, die als Blitzableiter für das öffentliche Gemüt dienen sollen, sind die „Boni“ der Manager, besonders jener Manager, die an der Spitze von Banken oder Wirtschaftsunternehmen gestanden haben, die in der Krise plötzlich auf staatliche Hilfe angewiesen sind. Nicht wenige dieser Manager wurden wegen der nun entstandenen Lage entlassen, bekommen aber ihre vertraglich gesicherten Boni ausgeschüttet. Wenn nicht, drohen sie mit einer Klage, die sie nur gewinnen können.
So manchem Linken wie etwa dem Verdi-Vorsitzenden Frank Bsirske reicht der Rausschmiß der Erfolglosen nicht. Er fordert eine flächendeckende, achtzigprozentige Steuer auf alle Managergehälter. Das ist Klassenkampf, es ist Demagogie. Der Mann glaubt selbst nicht mit dieser Forderung tatsächlich durchzukommen. Genauso demagogisch klingen die Drohungen mit sozialen Unruhen, wie sie von der Präsidentschaftskandidatin Gesine Schwan oder von dem DGB-Vorsitzenden und Ex-SEW-Mitglied Michael Sommer ausgesprochen wurden. Eine vielsagende geistige Wahlverwandtschaft, übrigens!
Der mehrfache Champion und Paradeverein des deutschen Fußballs, der FC Bayern München, hat seinen Trainer Jürgen Klinsmann fristlos gefeuert, zumal der Schaumschläger und Sprücheklopfer den Karren des Clubs an die Wand gefahren hat. Die Medien haben dem Schicksal des glücklosen Jürgen Klinsmann nahezu so viele Spalten gewidmet wie der Weltwirtschaftskrise oder der Schweinegrippe.
Hie und da sickerte es durch, daß aufgrund des Vertrages, den man mit Klinsmann ein Jahr zuvor unterschrieben hatte, dem Mann nun für die frühzeitige Beendigung der Beziehung eine Abfindung von mehreren Millionen Euro gezahlt wurde. Ein so hohes Honorieren des Mißerfolges kann nur mit den ominösen „Boni“ der gefeuerte Manager verglichen werden. Nur ist Fußball ein besonders sensibler Bereich und Mißgriffe können in den großen Stadien unmittelbar zu Wutausbrüchen und Tätlichkeiten der Massen führen. Das hat die Bsirskes und Sommers, die Schwans und Lafontaines zum Fall Klinsmann zu tiefem Schweigen veranlaßt, das peinlich und opportunistisch wirkt.
Ja - und um nicht zu vergessen: Unsere Bundeskanzlerin, die sich in der Öffentlichkeit ebenso wie die genannten und die nicht genannten Klassenkämpfer gegen die „Boni“ Zeter und Mordio gewettert hat und von der bekannt ist, daß sie sich auch gerne im Fußballstadion zeigt, hat zu den eben so unmoralischen Millionenabfindungen keine Silbe verloren. Und sich somit in dieselbe geistige Wahlverwandtschaft - anders ausgedrückt: in dieselbe Kumpanei - begeben.
Ivan Denes