Welt ohne Revolution
Es gibt eine neue Frauenzeitschrift. Der Stern hat nach Neon einen weiteren Ableger auf den Markt gebracht. Nido richtet sich an Mütter, die öfter Fisch mit Stäbchen als Fischstäbchen essen, heißt es. Mit anderen Worten: Zielgruppe ist die examinierte Germanistik-Studentin aus dem alternativen Wohnquartier, die sich jetzt mit 30 wie Judith Holofernes ihren Kinderwunsch (aber nur einen) erfüllt und endlich den Absprung ins Grüne geschafft hat. Nun zählen Auto, Haus und Garten. Vorbei mit der Weltrevolution.
Die zentralen Fragen drehen sich ums Kind: Wie plane ich Urlaub zu dritt? Wie geht Sex trotz kleiner Kinder? Wie adoptiere ich eines aus der 3. Welt? (Wäre auch für Madonna und Amy Winehouse interessant.) Politik kommt kaum vor - und wenn, dann geht es um Krippenplätze.
Der neue Erfolg solcher Lifestyle-Hefte und von semipolitischen Magazinen wie Neon oder Focus zeigt, daß sich die Leser immer weniger für „die da oben“ und ihre Lügen interessieren. Die Politisierung aller Lebensbereiche durch die Kommunisten und die 68er hat ein Ende. Endlich. Das ist ja auch schon mal was.