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Obamas „Geste der Unterwürfigkeit“
Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari – der Witwer Benazir Bhuttos, ein justiznotorisch korrupter Politiker – hat ein Gesetz für die Einführung islamischer Scharia-Gerichte im Nordwesten des Landes, im sogenannten Swat-Tal, etwa 160 Kilometer von der Hauptstadt Islamabad entfernt, unterschrieben. Zuvor hatte das pakistanische Parlament einstimmig der betreffenden Gesetzesvorlage zugestimmt.
Allein die unbedeutende Muttahida Quami Bewegung, die in der Hafenstadt Karachi beheimatet ist, protestierte gegen das Vorhaben, indem sie der Abstimmung nicht beiwohnte. Nun werden also zukünftig im Swat-Tal, Pakistans einzigem ausgebauten Skigebiet, Hände bei Diebstahl abgehackt, Ehebrecher gesteinigt, Islam-Abtrünnige und Homosexuelle gehängt... Schon bisher wurden im Tal politische Gegner geköpft, Mädchenschulen wurden abgefackelt. Und so weiter und so fort.

Pakistan der erste Dominostein?

Provinzregierung, Zentralregierung, Parlament und Staatspräsident haben also, nach langen militärischen Auseinandersetzungen im Swat-Tal mit den pakistanischen Taliban, kapituliert. Die erste Frage, die sich dem entsetzten westlichen Beobachter stellt, lautet: Ist das ein erster Dominostein? Ist das der Anfang vom Ende der bisherigen Republik, wie sie Ali Dschinah seinen Nachfolgern hinterlassen hatte?

Irgendwo kann man ein gewisses Verständnis für die Pakistanis aufbringen. Denn ihr bisheriger Hauptverbündeter, die Vereinigten Staaten, beziehungsweise ihr Präsident, Barack Hussein Obama, ist ja selbst abtrünnig geworden und macht einen Kotau nach dem anderen vor der islamischen Welt. Besonders aber ein Spektakel wirkte richtungsweisend. In Europa blieb die Episode nahezu unbemerkt, in den Vereinigten Staaten wurde sie unzählige Male über das Internet verbreitet, besichtigt und kommentiert, im Mittleren Osten schlug sie wie eine Bombe ein und wurde zur größten Sensation. Als Obama nämlich auf dem Londoner Gipfel mit Königin Elisabeth II. zusammentraf, begrüßte er sie aufrechtstehend. Als er gegenüber dem saudischen König Abduallah stand, verneigte er sich zutiefst ehrerbietend.

Das Weiße Haus streitet alles ab

Es war kaum eine durchdachte Geste der Unterwürfigkeit. Vielmehr eine spontane Anerkennung und Bekundung einer gewissen geistigen Hierarchie. Wäre es nicht so, hätte sich das Weiße Haus nicht hektisch bemüht, das für alle Welt sichtbare Verhalten einfach zu leugnen.

Wie Raymond Ibrahim von dem Middle East Forum dazu schrieb, es war keineswegs eine Geste der Höflichkeit einem herrschenden Monarchen gegenüber, sondern schlicht eine üble politische Verhaltensweise. Denn der wahabitische König, der Hüter der heiligen Städte Mekka und Medina, ist ein Symbolträger einer der radikalsten Form des Islam. Obendrein wird sein Königreich bezichtigt, es mit den Menschenrechten nicht so genau zu nehmen. „Sich vor diesem Mann zu verneigen war gleichbedeutend mit einer Verneigung vor dem radikalen Islam, mitsamt all seiner Mißachtung der Menschenrechte.“

Saudiarabien und die Menschenrechte

Obamas würdelose Verbeugung ist um so vielsagender, als daß er zuvor sich im Namen seines Landes für dessen bisherigen Politik pathetisch vor der islamischen Welt entschuldigte und darauf bestand, daß sich die Vereinigten Staaten keineswegs im Krieg mit dem Islam befinden würden - und es auch nie werden!

Daraufhin unterschrieb Ali Zardari das besagte Gesetz.

Die US-Regierung erklärte sich gleichzeitig bereit, in Afghanistan mit „gemäßigten Taliban“ Verhandlungen aufzunehmen, ohne zu bemerken, daß der innere Widerspruch der Begriffspaarung von vollkommener Weltfremdheit Zeugnis ablegt. Es gibt keine „gemäßigten“ Taliban, und es kann solche gar nicht geben.

Gemäßigte Taliban?

Der von politischer Tobsucht befallene iranische Präsident Ahmadinedjad erklärte sich plötzlich bereit, mit Obama ins Gespräch zu kommen.

Der im Weißen Haus arrivierte Emporkömmling will nicht nur mit der gesamten Politik seines Vorgängers brechen und abrechnen. Nein, er ist emsig dabei, Schlüsselpositionen Amerikas aufzugeben. Seine Politik erscheint dem europäischen Beobachter als eine eigenartige Mixtur von umgekehrtem Rassenkampf, unausgegorenem Klassenkampf, finanzpolitischem Stumpfsinn und szenischer Begabung.

Sarkozy: Obama ist überfordert

Nicolas Sarkozy mag ein manisch-depressiver, kranker Mann sein, dem ich wenig Sympathie entgegenbringen kann. Aber auch gestörte Leute können Recht behalten – so auch in diesem Fall. Der französische Präsident hat behauptet, Obama sei von seinem Amt überfordert.

Es gibt aber Schlimmeres im öffentlichen Leben als die Unfähigkeit, die Übersicht zu behalten oder überfordert zu sein, wenn es darum geht, die notwendigen Schlußfolgerungen zu ziehen. Es ist das Abdanken von der Würde der eigenen Nation. Wer jedoch selbst keine hat, kann auch die seiner Nation nicht bewahren.

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