Die Türkei. 007 und das ZDF
Das ZDF-Morgenmagazin wollte mal etwas für seine Quote und für die Klicks auf der Internetseite tun. Also hat der Sender eine Abstimmung über ein Leib- und Magenthema der Konservativen gestartet: Soll die Türkei in die EU?
Offiziell wird darüber wenig diskutiert, gilt Widerstand gegen den EU-Beitritt der Türkei doch als „politisch unkorrekt“, fast schon automatisch als „Türkei-feindlich“. Die Gegner des Beitritts, gerade in den großen Parteien (namentlich in der Union), verstecken sich hinter wohlklingenden Aussagen, sie seien zwar „für eine enge Partnerschaft, aber nicht für die Vollmitgliedschaft“ Sie sind eben nicht so mutig, unsere CDU-Volksvertreter.
Insofern ist die ZDF-Umfrage schon eine Überraschung. Das deutsche Volk wird nie gefragt. Nicht über Beitrittskandidaten, nicht über den EU-Vertrag. Könnte ja sein, daß die Leute ganz anderer Meinung sind als von den Herrschenden vorgegeben. Da hakt man lieber nicht nach.
Und siehe da: Kaum, daß die Frage nach dem EU-Beitritt auf der Internetseite war, da gab es auch schon eine einhellige Meinung: Nein. Über neunzig Prozent der Surfer sprachen sich am Dienstag gegen den EU-Beitritt der Türkei aus.
Dem ZDF-Moderator fielen fast die Augen raus, als er das Ergebnis bekanntgeben mußte. Und es wurde nicht besser: Im Laufe des Dienstags stieg die Rate der Ablehnung von 93 noch auf 94 Prozent. Schon wurde bei
Politically Incorrect darüber diskutiert, wann die Frage wohl manipuliert oder abgeschaltet wird.
So meint Zenta: „Mal weiter beobachten, wann bei dieser Umfrage der große Zensor erscheint und plötzlich, von jetzt auf gleich die Umfrage zugunsten der Türkei kippt. Bei ZDF und Welt-Online ist alles möglich. Bei letzterer war das schon öfters so praktiziert und löste einen Strom der Empörung aus.“
Zenta mußte nicht lange warten. Mittwochfrüh war die Ablehnung wieder bei 93 Prozent. Christian Sievers mußte das eindeutige Votum vorlesen. Jetzt war es ZDF-Chefs wohl zu bunt. Will denn niemand für den EU-Beitritt stimmen?, fragten sie sich. Zwar sahen sie davon ab, das Ergebnis zu verändern. Aber dafür verschwand die Umfrage von der Seite. Das hätte Roger Moore alias James Bond (war am Vortag als Gast in der Sendung) auch nicht besser gekonnt. Schwuppdiwupp – weg ist die Online-Umfrage.
Später verkündete Christian Sievers, die Umfrage habe abgeschaltet werden müssen, weil sie von „bestimmten Gruppen“ manipuliert worden sei. Übriggeblieben ist auf der Webseite nur der
Hinweis auf ein Streitgespräch zwischen Hans-Gert Pöttering (CDU), Martin Schulz (SPD) und dem türkischstämmigen Schauspieler Taifun Bademsoy am Freitag über den EU-Beitritt. Der CDU-Spitzenkandidat wird im aktuellen
Spiegel sehr zutreffend charakterisiert: „… mit dem Wort unauffällig wird er noch am freundlichsten beschrieben.“
Die Zuschauer können sich also mal wieder auf eine laue Runde einstellen, bei der vor viel die Rede von „privilegierter Partnerschaft“ und „der wichtigen Brückenfunktion“ die Rede ist. Aber nicht von getürkten Umfragen oder von islamistischer Bedrohung.
Arndt Dahlmann